kann ich mich verlieren?

wir mütter sind doch immer im reinen mit uns und unserer umwelt. wir sind geduldig und erledigen mit einem lächeln auf den lippen den abwasch, bringen den müll raus, wischen den boden, saugen, bügeln, bringen die kids in die kita, fahren zur arbeit und sind immer auf zack. am nachmittag basteln wir, gehen auf den spielplatz, backen kekse und spielen mit dem montessori spielzeug in einem aufgeräumten kinderzimmer. schlafen die kleinen friedlich, dann legen wir uns liebevoll zu unserem mann auf die couch. moment mal… wo bleiben wir?

let´s face it. die kinder kommen irgendwann zwischen 3 und 6 in unser bett geschluppft, wollen noch was trinken oder müssen auf’s klo. wir stehen auf, mit riesigen augenringen und wollen nichts sehnlicher als den ersten kaffee am morgen trinken. doch sattdessen schunkeln wir das baby und machen parallel frühstück, während der große quakt, weil die cornflakes von der linken seite mit milch begossen wurden anstatt von der rechten. dass im kindergarten tauschfrühstück ist haben wir natürlich vergessen. beim anziehen laufen wir über plastikspielzeug in form von irgendwelchen serienhelden. ich bin genervt.

anziehen, hopp hopp. „du hast entenfüße“, sage ich noch, doch wir verlassen das haus in richtung kita, damit bloß das baby endlich wieder schlafen kann. zurück daheim, schmeiße ich schnell eine wäsche an, damit die körbe nicht gänzlich überquellen. ich räume schnell hier was weg und dort liegt noch…mist das baby ist wach. geduscht? bin ich nicht. ist ok. dann gehe ich eben joggen, wenn der kleine wieder müde ist.

lange zeit habe ich das nicht mehr gemacht. joggen. doch wieso eigentlich? ich war mutter durch und durch. habe mich gekümmert, um alles. aber nicht um mich. jetzt beim zweiten kind bin ich gelassener, erfahrener. ich spüre zwar innerlich immer noch den gleichen druck, alles perfekt machen zu müssen, eine gute mutter zu sein, eine tolle ehefrau. aber irgendwas ist passiert. mit mir.

nach der geburt des kleinen fiel ich in das gleiche tiefe loch wie beim ersten kind. meine gedanken waren: gefesselt sein, an das kind, das haus, den alltag, die trostlosigkeit und die langeweile. ich liebe meine kinder und nein, ich bereue es nicht, mutter geworden zu sein aber ich vermisse mein altes leben. in mir rebellierte es, so sehr, dass ich dachte, ich könne keine bindung zu dem bündel in meinen armen aufbauen. nicht nocheinmal. im gespräch mit meiner hebamme stellte sich schnell heraus, dass ich eine aufgabe brauchte, eine die mich erfüllt, nicht nur mein herz sondern auch meinen geist. ich versuchte einen weg zu finden, ein praktikum in der schule zu machen, damit ich schnell wieder in den beruf komme, doch das endete schnell in einer sackgasse, denn ich bin gefesselt. an das kind, das haus, den alltag. ein teufelskreislauf, aus dem ich nicht herauszukommen schien.

doch ich bin draußen, ganz plötzlich. ich habe eingesehen und akzeptiert, dass ich arbeitstechnisch pausieren muss. mich dagegen zu wehren, macht mich nur unglücklich. doch aus dem, was ich sowieso schon nur für mich tat, dem schnminken und der hautpflege, entwickelte sich plötzlich eine idee. die zeit allein im badezimmer war mein täglicher wohlfühlmoment, auch nach der geburt des babys. ich schminke mich fast täglich, was ich nach der geburt des großen nie tat. ich hatte mich gehen lassen, mich verloren. und jetzt sitze ich hier an meinem pc und es sprudelt aus mir heraus. mit jedem wort, dass ich schreibe enstehen neue ideen in meinem kopf, der endlich nicht mehr auf standby läuft. schreiben, das tat ich schon immer gern, in der schule, im studium und jetzt wieder.

ich will eine gute mutter sein, doch was bedeutet gut? bedeutet gut aufopferungsvoll? bedeutet gut selbstlos? gut bedeutet kraftvoll. die meisten mütter, die ich kenne, finden diese kraft nicht indem sich all ihre gedanken und handlungen um das baby drehen, das haus, den alltag. sie definieren sich nicht mehr nur über ihre kinder oder ihren ehemann. sie sind nicht mehr nur die mutter von…

me but better

Veröffentlicht von seifertchristin

als mutter von zwei kindern, bin ich trotz alltagsstress immer auf der suche nach neuen ideen rund um beauty, mode und den alltag mit kids.

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